"Geht jetzt an einen einsamen, stillen Platz“, sagte Jesus zu ihnen. „Ihr habt Ruhe nötig“.


Manche Tage sind einfach übervoll. Wenn dann auch noch ein – durchaus erfreulicher – Umzug dazu kommt, dann stapeln sich die Anforderungen schon mal wie die Umzugskartons in der gesamten Wohnung des eigenen Lebens. Dann können diese Stapel auch über meine eigene Augenhöhe hinauswachsen. Dinge, die zu tun und zu organisieren sind, Telefonanrufe, die dazwischen kommen – der freie Blick wird immer mehr zugestellt.
Mittendrin plötzlich ein Tag weit draußen am Meer:
Die kühle (Ost-)Seeluft schnuppern, am Strand entlang gehen,
so weit, bis ich nur mehr den Wind, die Wellen und ein paar Möwen höre –
und endlich wieder durchatmen.
Das hört sich doch wie ein Wunschtraum an!

"Geht jetzt an einen einsamen, stillen Platz“, sagte Jesus zu ihnen.
„Ihr habt Ruhe nötig“.
Es waren nämlich so viele Menschen bei ihnen, dass sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden.
Deshalb fuhren sie mit dem Boot an eine einsame Stelle.

(Mk 6,31f., HfA)

Jesus weiß, was wir brauchen und er sagt es den Menschen, die mit ihm unterwegs sind, ganz direkt:
„Ihr habt Ruhe nötig.“
Er holt die Jünger heraus aus dem ganzen Trubel und nimmt sie mit an einen Ort, wo wirklich Ruhe ist.
Vielleicht ist heute ein Platz in einem ruhigen Gastgarten oder an der Bus-Endhaltestelle oder doch am Meer …
Ja, ich hatte Glück mit meinem unverhofften Meertag mitten im Umzugschaos. Er ist kein Wunschtraum geblieben, ich durfte die Ruhe da draußen wirklich spüren: als Vorbereitungsfahrt für die Seniorenreise unserer Kirche. Und genau dort ist mir jene Bibelstelle wieder in den Sinn gekommen:
Gott weiß, dass wir Ruhe nötig haben.
Nicht nur im Umzugschaos oder nach einer hektischen Woche im Berufsleben. Dass wir Menschen Zeiten und Orte für Ruhe brauchen, dass gilt für alle:
Auch wenn du vielleicht gar nicht aus deiner Wohnung heraus kannst oder aus dem Krankenzimmer oder aus der Flüchtlingsunterkunft: Gott weiß, wann du Ruhe nötig hast.

Und wenn es in diesen Tagen nicht wir selbst sind, die uns in diesem Augenblick nach so einem Ruheboot sehnen, dann können wir versuchen, wie Jesus auf die Menschen in unserer nächsten Umgebung zu schauen.
Dort, wo wir wohnen, leben, arbeiten, uns engagieren gibt es sicher Menschen, denen wir so entgegenkommen können. Menschen, die alleine vielleicht nicht mehr in der Lage sind „abzuschalten“ und Ruhe zu finden. Menschen, die vielleicht nicht einmal mehr Zeit zum Essen finden. Dann braucht es wieder jemanden, der diese Worte ausspricht:
„Geht an einen einsamen, stillen Platz. Ihr habt Ruhe nötig“.
Vielleicht wage ich es demnächst auch, meine sorgfältig gehüteten Ruheplätze zu teilen. Ohne Angst, dass diese Orte dann ihre Ruhe verlieren, sondern im Vertrauen darauf, dass Gott genug einsame stille Plätze bereit hält für alle, die sie in diesem Augenblick brauchen.

Ich wünsche euch allen den Segen kleiner oder größerer (Früh)Sommerauszeiten!

Anja Müller